Reisende soll man nicht aufhalten

Die Kollegen sind gewarnt: wer am Freitag noch irgendwas mit “Könntest du bitte noch ganz dringend” in meine Richtung sagt, bekommt nichts. Gar nichts. Nichtmal eine Postkarte. Höchstens eine Drohkarte! Einen kränkelnden Kollegen musste ich heute schon energisch des Büros verweisen, meine Hand berührt Türgriffe nur noch mit Handschuhen und wenn ich in der U-Bahn nach Hause/zum Büro fahre, halte ich die Luft an oder atme ganz flach, setze mich nicht und greife vor allem nichts an. Denn heute in einer Woche werde ich ungefähr diesen Ausblick haben und den will ich ohne Rotznase genießen:

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Zwischen diesem Szenario und mir stehen also noch drei Arbeitstage und ein Wochenende, bevor ich mich auf die neunstündige Autofahrt in Richtung Kroatien begebe. Fliegen wäre sicher bequemer gesehen, aber ehrlich gesagt mag ich diese Strecke (und vor allem den Part entlang der Küste) so sehr, dass es mich nicht stört, am Montag noch vor den Hühnern aufzustehen.

Und weil zu einer langen Autofahrt auch gute Musik gehört, habe ich schon mal damit angefangen, eine Playlist zu erstellen.

Mixtape

via Everyones Mixtape

Die Liste* ist leider noch ziemlich kurz und ständig die selben 10 Lieder hören geht bei 9 Stunden irgendwie gar nicht. Wenn also einer von euch das ultimative Auto-fahr-Lied für mich hat und das ganze vielleicht auch noch gut für eine Route entlang der Küste passt, dann bitte immer her damit :-)

*Während der Nachtstunden in Dauerrotation:

Die unheimliche Welt des Flugverkehrs. Oder: Von Sesseltretern und Rucksackschubsern

An sich mag ich Flughäfen, Flugzeuge und das Fliegen ja sehr. Es spart zwar nicht immer Geld, dafür aber Zeit und Zeit ist ja auch irgendwie Geld. Anstrengendes gibt es an dieser Art zu Reisen nur eines: die Anderen.

Vor langer Zeit habe ich in meiner Studie “Der Homo sapiens als Flugpassagier” eine grobe Kategorisierung von Personen vorgenommen, die sich in der natürlichen Umgebung eines bzw. gar IN einem Luftfahrzeug befinden. Erst letzte Woche hatte ich aufgrund einer Dienstreise nach Amsterdam erneut die Gelegenheit, meiner Arbeit ein paar Notizen hinzuzufügen und erneut die Sachlage zu prüfen. Sollte ich meinem ausgeklügelten System nicht doch noch die ein oder andere Subkategorie hinzufügen? Doch mir wurde erneut bestätigt, dass dies völlig überflüssig ist. Passagiere lassen sich problemlos in eine dieser Schubladen stopfen:

1. Hat Manieren.

2. Vermutlich temporärer Verlust der ansonsten hoffentlich vorhandenen Manieren.

3. Von Wölfen aufgezogen.

Welches Verhalten legt der Passagierus Flugzeugus (im Folgenden nur noch PF genannt) aber an den Tag, um in eine der Kategorien zu fallen? Nun, in Wahrheit liegt genau hier der Hund begraben, denn es muss eine Evaluierung stattfinden und gewisse Umstände sollten berücksichtigt werden.

Zum Beispiel, wenn einem der PF von hinten die Knie in den Rücken drückt. Hier sollte man sich erst vergewissern, ob es sich nicht um einen PF mit stattlicher Körpergröße handelt. Der hat meistens von Haus aus schon ein schlechtes Gewissen und ist gestraft genug, sich in die Eco quetschen zu müssen.

Vor zwei Jahren hatte ich mal so einen “Rückendrücker” hinter mir. Der war jetzt nicht übermäßig groß oder hätte sonstwie besonders viel Platz gebraucht, er hat es sich einfach bequem gemacht, indem er sich mit seinen Beinen in meinem Sitz, ergo in meinem Rücken abstützte. Habe ihn äußerst höflich darum gebeten, das doch bitte zu unterlassen und bekam prompt ein “Nö, das ist die einzige bequeme Position” zurück. Ich habe mich total verdattert umgedreht und nur gedacht “Ja Mensch, der wird es doch 1h lang normal sitzend aushalten”. Dann habe ich meinen Sitz zurück geklappt. Auf Anschlag. Und ihn in Kategorie 3 getan.

PF mit Alkohol-Fahne: 3. Wenn ich mich für einen gewissen Zeitraum mit anderen Menschen auf sehr engem Raum drängeln muss, trage ich Sorge dafür, sie in ihrer olfaktorischen Wahrnehmung nicht zu belästigen.

Die “Ich sitz in der Mitte, also benutze ich beide Armlehnen” PFs: 2 

PFs, die ihre Handgepäck Trolleys der Breite und nicht der Länge nach in die Fächer über den Sitzen stopfen. Das machen locker 99 von 100 so. Auf die Idee, dass da außer einem selbst noch 200 andere mitfliegen, kommen die natürlich nicht. Kategorie 2, je nach Laune schmeiße ich die aber manchmal auch in die 3.

Bei den PFs des Fluges OSirgendwas von Amsterdam nach Wien letzten Mittwoch muss ich mich auch noch bedanken! Die haben sich alle so in den Bus gestellt, dass ich, als eine der letzten aus Sitzreihe 20 kommend, mich zwischen Menschen und Bustür falten durfte. Immerhin war ich dadurch keine einzige Sekunde in der Gefahr umzufallen UND durfte mein Gesicht im Rucksack meines Vordermannes ausruhen. Ach Kinder, ich steh ja auch nicht so auf Körperkontakt mit Fremden, aber man kann doch bitte mal einen Schritt zusammenrücken!

Übrigens war für Sightseeing in Amsterdam überhaupt keine Zeit, nur für ein paar After Work Drinks. Was ich gesehen habe reicht aber, um definitiv wieder zu kommen. Niedlich, diese frühmorgendliche Rush Hour auf den Radwegen.  Außerdem tragen dort sogar die Laternen Kronen :-)

Laterne_Amsterdam

Pony-Post

Der ungarische Herr, mit dem ich neuerdings fast mein gesamtes Wochenende verbringe:

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Irgendwie ist er passiert. Eine Freundin erwähnte, dass da jemand in den Stall gezogen ist, der eine Reitbeteiligung sucht und dass der Gaul ein besonders liebenswerter, hübscher und süßer wäre. Und ich, die sich eigentlich an kein Pferd mehr so wirklich binden wollte, sagte: “Okay, schauen kostet nix.” Beim 1. Date gingen wir spazieren und ich wollte ja eigentlich Distanz wahren. Eigentlich. Bloß nicht gleich in Begeisterungsstürme verfallen. Bloß nicht. Erstmal Kennenlernen und alles schön objektiv betrachten. Die Krönung meines super Plans: objektiv bleiben. Vielleicht passt die Chemie zwischen dem Pferd und mir ja gar nicht und/oder ich komme mit der Besitzerin nicht klar. Tja. Nach dem ersten Spaziergang mit ihm war zumindest folgendes klar: Dieser Grantscherm, der anfänglich immer ein bisschen so drein schaut, als wäre jeden Tag Montag, hat es innerhalb weniger Stunden geschafft, sich direkt in mein Herz zu schleichen und die Chemie zwischen seiner Besitzerin und mir könnte besser nicht sein. Relativ schnell war abgemacht, an welchen Tagen ich mich um ihn kümmere.

Nachdem mein Vorhaben, sich nicht allzusehr in das Pferd zu vergucken schon am ersten Tag so grandios scheiterte, warf ich auch alle anderen Vorsätze über Bord und kaufte ihm ein schickes Halfter aus der neuen Eskadron Kollektion (ja, es gibt Sommer-/Winterkollektionen für Pferde). Okay, den dazu passenden Führstrick habe ich auch mitgenommen. Aber sonst nichts! Bis auf Fliegenhauberl, Huföl und Hufstrahlpflege. Außerdem ein Poloshirt für mich. Die rot-blau karierte Abschwitzdecke sähe bestimmt auch total süß an ihm aus, aber ich wusste noch nicht, welche Größe ihm passt.

Letztens hat es mir dann überhaupt den Vogel rausgeschossen. Da stand ich mit Herzerln in den Augen vor dem Pusztamoped und brabbelte etwas von “Orrrduhüüübscherlauserhase”. Auf Nicht-Reiter wirkt das jetzt natürlich völlig unzurechnungsfähig, aber man muss sich ja nicht jedem erklären.

Jedenfalls, was ich an dem Gaul so unglaublich mag: er ist schlau, klar im Kopf, will beschäftigt werden, lernt sehr schnell. Anfangs hat er viel gebettelt. Also wollten wir ihm klar machen, dass es Leckerli nur für´s Hackeln gibt und drei, vier Mal hintereinander den Spanischen Schritt abgefragt. Plötzlich fing er völlig unaufgefordert an, im Spanischen Schritt neben mir herzugehen, in der Hoffnung, die magische Leckerlischleuse würde sich dann für immer öffnen. Nice try. Okay, für die Idee dahinter gab´s eine Karotte extra.

Brace yourself - BRACE YOURSELVES PONY POSTS ARE COMING

Der Ton macht die Musik

Ich gehe die Treppen zur U-Bahn hinunter. Es schneit, es ist arschkalt, es ist nass. Mir fehlt die Sonne und ich hasse das Leben ein bisschen.

Vor mir gehen drei Frauen, sie sind Roma oder Sinti, ich kann das nicht genau sagen, sehr ärmlich gekleidet. Keine von den dreien hat eine Jacke, eine hat sogar nur einen dünnen langen Rock an. An den Füßen trägt sie Socken und Sandalen. Der Anblick tut mir leid, aber sie scheint einfach nur die Zähne zusammen zu beißen nach dem Motto “Muss ja irgendwie” und konzentriert sich auf ihr Gespräch mit den anderen beiden Frauen während sie die Treppen hinunter gehen. Nach wenigen Metern bleiben sie auf dem Bahnsteig neben zwei Menschen stehen.

Diese beiden Menschen stellen die U-Bahnaufsicht dar. Einer von ihnen dreht sich um blafft die drei Frauen an: “Ticket?!?”

Die Frauen starren ihn verständnislos an. Er wiederholt sich. “Ticket!! Müssen Ticket kaufen!!”

Sie starren ihn wieder an, verstehen ihn nicht. Dann schaltet sich das andere Aufsichtsorgan ein: “Rauf gehen! Ticket kaufen!”.

Der Ton macht die Musik. Die drei Frauen begreifen, dass sie nicht erwünscht sind. Sie drehen sich um und gehen wieder nach oben. Jene Frau, die an den Füßen nur Socken und Sandalen trägt, tut sich besonders schwer.

Zufrieden drehen sich die beiden von der Aufsicht wieder um und fragen nicht eine einzige weitere Person nach ihrer Fahrkarte.

Mich kotzt nicht an, dass sie nach den Fahrkarten gefragt haben. Mich kotzt an, dass hier jemand seinen Frust bewusst an drei Menschen ausgelassen hat, die offensichtlich keine Österreicher sind. Dafür, und das sage ich als Yugo-Piefke-Ösi Mischung jetzt mal ganz österreichisch, hätte ich den beiden so gerne eine in die Goschn ghaut (statt fassungs- und wortlos das Szenario mitanzusehen).

Der Feedreader-König ist tot. Lang lebe der König!

Meine erste Reaktion auf das angekündigte Ende des Google Readers: Oh. Noooooooo! Nein, ich mag das nicht, ich will das nicht, ich will mir auch keinen anderen Dienst suchen müssen und überhaupt, was für eine Frechheit, kann man das Ding nicht weiterlaufen lassen, wer kommt denn auf so einen Scheiß,blah..Wutrede..blah.

Aber es ist doch wirklich zum Kotzen. Da hat man es sich mit seinen +200 Feeds wo bequem gemacht und dann kommt quasi der Vermieter an und sagt “Joaarr, also.. ich hab da keinen Bock mehr auf die Scheiße hier. In zwei Monaten bist du hier ausgezogen, okay? Achja, bitte um besenreine Übergabe oder alles, was nach dem Auszug noch da ist, gehört mir.”

Nachdem das Thema ja in diversen Online-Medien vertreten war und die dankenswerterweise auch gleich Tipps gaben, wohin man umziehen kann, habe ich mir ein paar von diesen Feedreadern angesehen und bin schlussendlich bei dem Anbieter hängen geblieben, den fast jedes Medium als erstes genannt hat: Feedly. Die Anmeldung erfolgt über das Gmail Konto, die Feeds aus dem Google Reader werden mit einem Klick importiert, alle gewohnten Funktionalitäten (und noch einige mehr) sind da (insbesondere meine heiß geliebte Markierungsfunktion für Blogposts, die mir besonders gut gefallen haben) und last but not least muss ich noch erwähnen, dass das Layout im Magazinstil viel hübscher anzusehen ist.

Umzug und Gewöhnung taten also gar nicht weh, meinetwegen kann Google den Reader ab sofort dicht machen. Wieder mal umsonst aufgeregt.