An sich mag ich Flughäfen, Flugzeuge und das Fliegen ja sehr. Es spart zwar nicht immer Geld, dafür aber Zeit und Zeit ist ja auch irgendwie Geld. Anstrengendes gibt es an dieser Art zu Reisen nur eines: die Anderen.
Vor langer Zeit habe ich in meiner Studie “Der Homo sapiens als Flugpassagier” eine grobe Kategorisierung von Personen vorgenommen, die sich in der natürlichen Umgebung eines bzw. gar IN einem Luftfahrzeug befinden. Erst letzte Woche hatte ich aufgrund einer Dienstreise nach Amsterdam erneut die Gelegenheit, meiner Arbeit ein paar Notizen hinzuzufügen und erneut die Sachlage zu prüfen. Sollte ich meinem ausgeklügelten System nicht doch noch die ein oder andere Subkategorie hinzufügen? Doch mir wurde erneut bestätigt, dass dies völlig überflüssig ist. Passagiere lassen sich problemlos in eine dieser Schubladen stopfen:
1. Hat Manieren.
2. Vermutlich temporärer Verlust der ansonsten hoffentlich vorhandenen Manieren.
3. Von Wölfen aufgezogen.
Welches Verhalten legt der Passagierus Flugzeugus (im Folgenden nur noch PF genannt) aber an den Tag, um in eine der Kategorien zu fallen? Nun, in Wahrheit liegt genau hier der Hund begraben, denn es muss eine Evaluierung stattfinden und gewisse Umstände sollten berücksichtigt werden.
Zum Beispiel, wenn einem der PF von hinten die Knie in den Rücken drückt. Hier sollte man sich erst vergewissern, ob es sich nicht um einen PF mit stattlicher Körpergröße handelt. Der hat meistens von Haus aus schon ein schlechtes Gewissen und ist gestraft genug, sich in die Eco quetschen zu müssen.
Vor zwei Jahren hatte ich mal so einen “Rückendrücker” hinter mir. Der war jetzt nicht übermäßig groß oder hätte sonstwie besonders viel Platz gebraucht, er hat es sich einfach bequem gemacht, indem er sich mit seinen Beinen in meinem Sitz, ergo in meinem Rücken abstützte. Habe ihn äußerst höflich darum gebeten, das doch bitte zu unterlassen und bekam prompt ein “Nö, das ist die einzige bequeme Position” zurück. Ich habe mich total verdattert umgedreht und nur gedacht “Ja Mensch, der wird es doch 1h lang normal sitzend aushalten”. Dann habe ich meinen Sitz zurück geklappt. Auf Anschlag. Und ihn in Kategorie 3 getan.
PF mit Alkohol-Fahne: 3. Wenn ich mich für einen gewissen Zeitraum mit anderen Menschen auf sehr engem Raum drängeln muss, trage ich Sorge dafür, sie in ihrer olfaktorischen Wahrnehmung nicht zu belästigen.
Die “Ich sitz in der Mitte, also benutze ich beide Armlehnen” PFs: 2
PFs, die ihre Handgepäck Trolleys der Breite und nicht der Länge nach in die Fächer über den Sitzen stopfen. Das machen locker 99 von 100 so. Auf die Idee, dass da außer einem selbst noch 200 andere mitfliegen, kommen die natürlich nicht. Kategorie 2, je nach Laune schmeiße ich die aber manchmal auch in die 3.
Bei den PFs des Fluges OSirgendwas von Amsterdam nach Wien letzten Mittwoch muss ich mich auch noch bedanken! Die haben sich alle so in den Bus gestellt, dass ich, als eine der letzten aus Sitzreihe 20 kommend, mich zwischen Menschen und Bustür falten durfte. Immerhin war ich dadurch keine einzige Sekunde in der Gefahr umzufallen UND durfte mein Gesicht im Rucksack meines Vordermannes ausruhen. Ach Kinder, ich steh ja auch nicht so auf Körperkontakt mit Fremden, aber man kann doch bitte mal einen Schritt zusammenrücken!
Übrigens war für Sightseeing in Amsterdam überhaupt keine Zeit, nur für ein paar After Work Drinks. Was ich gesehen habe reicht aber, um definitiv wieder zu kommen. Niedlich, diese frühmorgendliche Rush Hour auf den Radwegen. Außerdem tragen dort sogar die Laternen Kronen

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